So wirst du Model

Habt ihr schon mal bei Germanys Next Topmodel vor dem Fernseher gesessen und euch gefragt, ob ihr auch auf den Fußspuren von Heidi Klum wandeln könntet? Ich habe mit dem Modelscout Nico Manrique gesprochen. Er hat mir verraten, was ihr mitbringen müsst, um Topmodel zu werden, wie ihr euch bewerben solltet und was man damit verdienen kann.

Lee Wah: Viele Mädels träumen davon, Model zu werden. Was sind die Voraussetzungen?
Kurz und knapp: man sollte fotogen sein. Ein reines Hautbild, gepflegte Zähne, proportionale Harmonie und Stimmigkeit des Gesichtes und eine interessante Ausstrahlung, was wir in der Branche auch X-Faktor nennen, sowie eine gut proportionierte Figur sind ein Muss! Weiter von Vorteil sind große Augen, volle Lippen, kräftiges und dichtes Haar und hohe Wangenknochen. Sehr wichtig ist auch die Fähigkeit, verschiedene Facetten und Ausdrücke vor der Kamera zeigen und umsetzen zu können.

Lee Wah: Sind Tattoos und Piercings ein Problem?
Tattoos können tatsächlich ein Manko sein! Wobei natürlich die Anzahl, Größe und an welcher Stelle sie sich am Körper befinden, eine Rolle spielen. Dasselbe gilt für Piercings. Wer also ernsthaft modeln will, sollte auf beides möglichst verzichten. Wenn schon vorhanden, dann bitte zumindest keine neuen Tattoos und Piercings stechen lassen.

Lee Wah: Kann man nur mit 90-60-90 Topmodel werden?
Um ein klassisches Topmodel zu werden, sollte man die 60 in der Taille und die 90 in der Hüfte auf jeden Fall erfüllen. Etwas darunter zu liegen ist natürlich auch nicht von Nachteil. Die 90 in der Oberweite ist nicht so wichtig, allerdings müssen die Proportionen stimmen! Viel entscheidender sind Körpergröße, Kleidergröße und Alter.

Lee Wah: Was heißt das genau?
Die gewünschte Körpergröße liegt zwischen 174 und 182 Zentimetern. Optimal wären 176 bis 180 Zentimeter. Die Kleidergröße sollte zwischen 34 und 36 liegen. Das ideale Alter beginnt bereits mit 14 und geht bis 21.

Lee Wah: Da fallen einige Mädels durchs Raster…
Um als Model zu arbeiten, gibt es heute viele Möglichkeiten und Sparten. Nicht immer müssen die Kriterien eines Top Models erfüllt sein. Im Bereich People kann zum Beispiel jeder arbeiten, der fotogen ist, ein Charaktergesicht hat oder einfach für den es einen Markt gibt. Das Alter, die Maße und die Körpergröße sind hier nicht von Bedeutung. People werden in den verschiedensten Sparten der Werbung eingesetzt. Die Gagen sind natürlich nicht mit einem klassischen Model zu vergleichen und auch die Auftragslage fällt deutlich geringer aus. Dasselbe gilt für die sogenannten Big-Size-Models. Abgesehen von den Körpermaßen und der Kleidergröße wird von einem erfolgreichen Big-Size-Model auch ein attraktives Äußeres sowie proportionale Harmonie und Stimmigkeit des Gesichtes und des Körpers erwartet.

Lee Wah: Ab welcher Größe ist man Big-Size-Model?
Die typische Kleidergröße eines Big-Size-Models liegt zwischen 42 und 46.

Lee Wah: Woran erkennst du bei einer Frau, ob sie das Zeug zum Model hat?
Als Modelscout fokussiere ich mich ausschließlich auf das klassische Model, das auch das Zeug zum Topmodel haben könnte und das Modeln eventuell auch zu ihrem Hauptberuf machen könnte. Ich achte also auf alle Voraussetzungen, die ich eingangs genannt habe.

Lee Wah: Abgesehen vom Aussehen: Welche Eigenschaften muss ein Model haben?
Sehr wichtig ist es, verschiedene Facetten und Ausdrücke vor der Kamera zeigen und umsetzen zu können. Aber auch innere Werte sind wichtig: Engagement, Zuverlässigkeit, Selbstdisziplin sind unerlässlich. Da ein erfolgreiches Model immer facettenreich einsetzbar sein sollte, braucht es auch ein gutes Körpergefühl und muss dementsprechend auch „gut laufen können“, sonst ist es für Fashion Shows und Laufsteg Aufträge nicht einsetzbar. Ein erfolgreiches Model arbeitet oft für internationale Kunden. Englischkenntnisse sind daher ein Muss. Von Vorteil ist ebenfalls ein sicheres, selbstbewusstes und sprachgewandtes Auftreten bei Interviews.

Lee Wah: Wie bewirbt man sich bei einer Modelagentur richtig?
Genauso wie man sich bei mir als Modelscout bewerben sollte. Relevant sind zunächst Daten wie das Alter, Körpergröße, Brustumfang, Umfang von Taille und Hüfte, sowie Kleiderkonfektion und Schuhgröße und momentane Tätigkeit. Dazu ein Gesichtsportrait, am besten eines auf dem man lacht, muss aber nicht sein. Und ein Ganzkörperportrait. Das reicht für den ersten Eindruck. Bin ich oder die Modelagentur interessiert, wird um weiteres Bildmaterial in Form von Polaroids gebeten. Sogenannte ungeschminkte Bilder, die am besten den tatsächlichen äußeren Eindruck wiederspiegeln. Daher am besten im Bikini oder in figurbetonter Kleidung aufgenommen. Das Mädchen sollte komplett ungeschminkt sein, die Haare aus dem Gesicht und das Gesicht und der Körper sollten direkt von vorne und von der Seite bildhaft gezeigt werden. Eventuell wird in dieser Form auch noch ein Video verlangt, auf dem das Mädchen sich vorstellt und kurz läuft.

Lee Wah: Das kann ganz schön teuer werden…
Die Polaroids und auch die Videos kann das Mädchen mit der eigenen Digitalkamera erstellen. Es benötigt hier keine professionellen Bilder vom Fotografen und ist natürlich so auch mit keinerlei Kosten für das Mädchen verbunden. Die Bilder dienen nur dazu, um einen bildhaften Eindruck vom Mädchen zu gewinnen. Falls sich das Mädchen bei mir beworben hat, leite ich die Bewerbung an die Modelagentur weiter. Hat es sich direkt bei einer Modelagentur beworben, folgt dann die Einladung in die Agentur selbst, zum persönlichen Kennenlernen.

Lee Wah: Unter Modelagenturen gibt es ja auch viele schwarze Schafe. Was zeichnet eine seriöse Agentur aus?
Eine seriöse Modelagentur verfügt über eine übersichtliche und ansprechende Webseite, die auch bezogen auf die Bilder, Daten und Maße ein klassisches Model wiederspiegelt. Außerdem gibt es Ansprechpartner, die per E-Mail, Telefon oder auch persönlich gut zu erreichen sind. Eine seriöse Agentur ist bei Interesse bereit, das Mädchen kostenlos aufzubauen und professionelles Bildmaterial zu erstellen, ohne dass das Mädchen selbst erst einmal viel Geld in Fotoshootings investieren muss, um sich als Model auf der Webseite den Kunden der Agentur präsentieren zu können. Wenn das Mädchen noch minderjährig ist, holt eine seriöse Agentur auch immer die Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten ein. Vorsicht auch vor Agenturen, die Vermittlungsgebühren verlangen, nur um das Model auf die Webseite zu stellen. Das würde eine seriöse Agentur nie machen. Tabu ist es auch, das Model als reine Karteileiche auf der Webseite zu führen. Nur Models, bei denen ein erfolgreiches Arbeiten für beide Seiten möglich ist, sollten auf der Webseite zu finden sein.

Lee Wah: Was verdient denn ein Durchschnittsmodel in etwa?
Hier gehe ich wieder von dem klassischen Model aus. Zum einen ist das sehr davon abhängig, ob das Mädchen noch blutiger Anfänger oder schon professionelles Model ist. Aber auch die Art des Auftrages, wieviel das Model arbeitet und in welchem Land das Model tätig ist, hat Einfluss auf das Honorar. Ein erfolgreiches Model, das vor allem international arbeitet, kann zumindest in den Jahren, in denen es erfolgreich ist, von diesem Job gut leben. Die Mindestgage bei einer seriösen Modelagentur beträgt 300 Euro für einen Auftrag. Gagen von 1.000 Euro und mehr pro Auftrag sind aber nicht ungewöhnlich in der Modelbranche. Nach oben sind die Grenzen weit gesteckt. Es gibt Tagesgagen von mehr als 10.000 Euro. Bei vielen Aufträgen kann ein Model in Deutschland zwischen 600 und 1.500 Euro verdienen. Mit der Erfahrung, der professionellen und facettenreichen sowie bildhaften Darstellung des Models auf der Webseite der Modelagentur steigt meistens auch die Gage an.

Lee Wah: Herzlichen Dank für das interessante Interview!

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